Das Maiensäss

Thesen zur Maiensässkultur der Gegenwart im Kanton Graubünden

 

Doktoratsstudiengang in Architektur und Raumentwicklung, Universität Liechtenstein

 

In der traditionellen Bewirtschaftung bildet das Maiensäss die Mittelstufe zwischen Tal- und Alpbetrieb. Durch die umstrukturierte Landwirtschaft und die veränderte Lebensweise ab Mitte des letzten Jahrhunderts werden viele Maiensässbauten von den Bauern nicht mehr gebraucht. Die Gebäude stehen leer und zerfallen oder werden für neue landwirtschaftliche und gewerbliche Zwecke genutzt, etwa um Geräte und Maschinen einzustellen. Seit anfangs der 1980er-Jahre sind Maiensässbauten begehrte Objekte, die in Zweitwohnsitze umgenutzt werden. Die Sehnsucht nach temporären Rückzugsorten, beruht auf dem Wandel früherer Vorstellungen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts führten wissenschaftliche und dichterische Schilderung sowie malerische Darstellungen zur Entdeckung der Bergbauern als „edle Wilde“, die in einer idyllischen Alpenlandschaft ein naturnahes und einfaches Leben führten. Das konstruierte Bild der Kulturlandschaft wird über die Aussenwelt definiert, grenzt sich aber zugleich von ihr ab. Während die Annäherung an den Alltagskomfort oft dazu führt, dass die Sehnsucht nach dem Einfachen und Ursprünglichen zur Utopie wird.